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Xenialpup Linux – Der Turbolader für Uralt-Rechner

Der Desktop von Xenialpup: Aufgeräumt und reduziert – und sehr nah an Windows. Die Statuszeile unten gibt Rückmeldung über verschiedene Daten, links öffnet sich die zentrale Navigation. Und auch die sieht so aus wie einst in Windows bis Win7.

 

Xenialpup Linux

Der Turbolader für Uralt-Rechner

Sie sind sentimentaler Besitzer eines seit Jahren ungenutzten Staubfänger-PCs, den nichts und niemand wieder zum Laufen bringen kann? Ihnen kann geholfen werden: Xenialpup lässt selbst PC-Dinosaurier auferstehen.

 

Freitag, 30.03.2018

Neben großen, vollwertigen Betriebssystemen gibt es auch etliche Versionen von Linux, die äußerst anspruchslos sind: Sie sind dazu gedacht, klein dimensionierte Hardware anzutreiben oder alte Schätzchen wieder nutzbar zu machen. Die kleinsten dieser Linux-Distributionen sind so schlank, dass sie selbst 25 Jahre alten Rechnern bis dahin ungeahnte Leistungen entlocken.

Eines der bekanntesten Mini-Linux heißt Puppy, und in seinen sparsamsten Formen kommt es mit 128 MB Arbeitsspeicher aus. Mit Puppy kann deshalb man sogar Computer reanimieren, die zu Anfang des Jahrtausends auf den Markt kamen.

Wir wollen Ihnen aber eine etwas aufgebohrte Variante von Puppy vorstellen, die zwar ebenfalls bescheidene Systemanforderungen stellt, aber trotzdem eine Menge kann: Xenialpup.

Das Puppy-Derivat Xenialpup: Aus alt mach schnell

Xenialpup braucht einen Rechner, der es mindestens auf 1 GHZ Taktfrequenz bringt und über 768 MB Arbeitsspeicher verfügt. Man kann das System installieren, aber auch über CD oder USB-Stick laufen lassen. Im Extremfall brauchen solche Puppy-Systeme also nicht einmal eine Festplatte. Solche Minimalanforderungen dürften die meisten PCs und Notebooks bis zu einem Alter von 15 Jahren und mehr einschließen, die in deutschen Kellern ihrer Entsorgung entgegengammeln. Xenialpup hat das Zeug, sie stattdessen nutzbringend zu recyceln.

Denn Xenialpup ist beeindruckend leistungsfähig. Optisch reduziert und sehr einfach gestaltet, bietet das System eine wenige Dutzend Anwendungen umfassende Software-Sammlung, die aber so gut wie alles abdeckt, das man für Internet, Schreiben, Musik oder Video-Streams braucht.

Tatsächlich arbeitet hier ein extrem reduzierter Betriebssystem-Kern, der auf Ubuntu 16.4 beruht. Damit ist Xenialpup in der Lage, sowohl 32-bit-, als auch 64-bit-Rechner anzutreiben. Die Installation gelingt auf älteren BIOS-Systemen, wie auch auf neuen UEFI-Rechnern. Und die Bedienung ist – man kann das nicht anders sagen – wie bei Windows.

Xenialpup wurde mit dem Anspruch entwickelt, ohne Linux-Vorkenntnisse sofort und ohne Erklärungen bedient werden zu können. Das ist fast perfekt gelungen. Anders ist hier nur, dass man, um Dateien aufzurufen oder Programme zu aktivieren, grundsätzlich nur einen Mausklick braucht statt eines Doppelklicks. Anfangs ruft man so versehentlich vieles doppelt auf, bis man sich daran gewöhnt (oder es in den Systemeinstellungen umstellt).

Die wirklich herausragende Eigenschaft von Xenialpup ist seine Geschwindigkeit. Da das Betriebssystem – wie einst bei DOS – komplett in den Arbeitsspeicher geladen wird, stehen seine Funktionen ohne jeden Zeitverlust zur Verfügung. Das fühlt sich an wie ein Turbolader für Alt-Hardware.

Wie bekomme ich Xenialpup auf den Uralt-PC?

Der Witz an Puppy ist, dass man es noch nicht einmal installieren muss. Es ist so klein, dass man es bequem über CD oder USB-Stick starten kann. Das ist praktisch, um es auszuprobieren. Zur Reanimierung von Alt-Hardware bietet sich aber die klassische Installation an.

Der erste Schritt ist natürlich der Download: Xenialpup ist nur 330 MB klein.

Jedes Brennprogramm kann aus der heruntergeladenen ISO-Datei ein sogenanntes “Abbild” brennen: Die CD oder DVD, die man so erhält, ist bootfähig und bietet dann auch die Installation auf Festplatte an.

Alternativ lässt sich auch ein bootfähiger USB-Stick produzieren. Das passiert in vier Schritten:

  • Man lädt das kleine Tool UNetbootin auf den im Alltag genutzten Rechner herunter und installiert es.
  • Man lädt die Xenialpup-ISO-Datei herunter (siehe oben).
  • Leeren (!) USB-Stick einstecken.
  • Man ruft UNetbootin auf und wählt die ISO-Datei aus. Fertig.

Der Rest ist einfach:

  • Stick in den Altcomputer einstecken oder CD/DVD einlegen.
  • Rechner starten.
  • Boot-Vorgang abwarten: Es startet ein “Live-System”, das Sie zunächst ausprobieren können.
  • Wenn gewünscht, starten Sie die Installation: Das Installationsprogramm liegt auf dem Desktop oben links (siehe Bildergalerie).
  • Die Installationsdauer liegt bei wenigen Minuten, das Programm führt in englischer Sprache durch die einzelnen Schritte.
  • Nach dem ersten Vollstart bietet das System seine Einstellungen zur Änderung an. Dazu gehört zuerst die Umstellung von Sprache und Tastatur auf Deutsch.
  • Fertig.

Den Rest lernt man in den folgenden 30 Minuten. Einen ersten Überblick über Xenialpup bietet Ihnen unsere Bildergalerie. Viel Spaß mit dem reanimierten Rechner!

 

von: http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/linux-puppy-der-turbo-fuer-uralt-computer-a-1194437.html

 

Willkommen: Der Erststart öffnet das Fenster mit den grundsätzlichen Konfigurationen. Sprachumstellung und – wichtiger noch! – die Tastaturumstellung unten sollte man direkt erledigen, sonst fehlen die Umlaute, Funktionstasten sind anders belegt und Y und Z vertauscht.

 

Auf fast jede “Frage” antworten Puppy-Systeme wie Xenialpup mit einem Assistenten. WLAN erkennt das System mitunter erst nach einer regulären Installation, Kabelverbindungen zum Internet laufen völlig problemlos. Falls es nicht klappt, bietet Xenialpup sofort ein Ersatzwerkzeug für einen erneuten Versuch an.

 

Das sehr reduzierte Software-Center von Xenialpup: Installiert und desinstalliert wird, wie bei Linux üblich, zentral. Das ist gut, weil alles geordnet vorliegt und in sichereren Versionen angeboten wird. Ab Auslieferung bringt Xenialpup ein paar Dutzend Programme mit – im Grunde ein Vollangebot der Notwendigkeiten plus ein paar Bonbons.

 

Browser PaleMoon: Das reduzierte Design zieht sich durch alle Programme hindurch, sagt aber nichts über die Leistungsfähigkeit aus. Alle pragmatischen Anwendungen laufen merklich schneller als in manchem “vollen” Betriebssystem. Warten muss man auf keinen Programmaufruf, es fühlt sich eher an wie ein Anschalten. Kein Wunder: Xenialpup lädt seine Anwendungen komplett in den Arbeitsspeicher.

 

Und auch, wenn es multimedial wird, lässt einen der Betriebssystem-Winzling nicht hängen. Video-Streams sind kein Problem und laufen ruckelfrei. Und der mitgelieferte Videoplayer MPV verdaut selbst HD-Videos problemlos, wenn CPU und Arbeitsspeicher nicht zu klein und archaisch ausfallen. Auch Musik ist überhaupt kein Problem: Viele Nutzer reanimierter Alt-Systeme setzen sie für die Party-Beschallung ein.

 

Grafikprogramm Paint: Wie auch die mitgelieferte Office-Software sieht das ein wenig aus der Zeit gefallen aus. Dafür funktioniert aber alles zuverlässig: Systeme wie Xenialpup haben ihre Grenzen, aber was sie anbieten, das können sie auch.

 

 

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