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Wem gehört der DAX?

Wem gehört der Dax? Eine Teilantwort liefert die Deutsche Bank: Der frühere UBS-Vorstand Jürg Zeltner soll in ihren Aufsichtsrat einziehen. Der Name klingt deutsch, der Mann ist Schweizer – vertreten wird er die Interessen von Katar.

Zeltner ist ein Vertrauter der katarischen Herrscherfamilie Al Thani. Katars ehemaliger Emir Hamad bin Khalifa und sein Cousin Hamad bin Jassim halten jeweils drei bis fünf Prozent. Sie sind damit die einflussreichsten Aktionäre des Bankhauses. Ihren bisherigen Mittelsmann, den deutschen Juristen Stefan Simon, hatten sie bereits aus dem Aufsichtsrat abgezogen, um ihn im operativen Management des Geldhauses zu installieren.

Die Deutsche Bank ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel: Die Deutschland AG wird in aller Stille, aber mit hohem Tempo umgebaut. Derweil politisch die großen Debatten um den Begriff der Nation kreisen und in der AfD völkisch gesinnte Aktivisten nach der Macht greifen, erlebt die Wirtschaft erneut eine heftige Welle der Globalisierung. Das Nationale und Ständische verdampft.

Der Deutsche Aktienindex täuscht im Namen eine kulturelle und geografische Hegemonie der Deutschen vor, die es im wahren Leben der Großkonzerne nicht mehr gibt. Das Kommando haben Investoren aus dem Ausland übernommen. In den Aufsichtsräten sitzen an den Schalthebeln Asiaten, Amerikaner, Briten und jede Menge Ölscheichs.

Gerhard Schröder und sein Finanzminister Hans Eichel gaben im Dezember 1999 den Startschuss für diesen Umbau, ohne sich der historischen Dimension bewusst zu sein. Sie platzierten in ihrer Steuerreform auf Seite 12 den Satz „Gewinne aus der Veräußerung von Anteilen, die eine Kapitalgesellschaft an einer anderen Kapitalgesellschaft hält, sind nicht steuerpflichtig“, womit viele deutsche Investoren unverzüglich zum Verkaufsakt schritten. Die Folgen waren und sind gravierend:

► Der Anteil ausländischer Investoren an den Dax-Konzernen hat sich seither verdoppelt. Heimische institutionelle Investoren halten heute nur noch 15,3 Prozent am Dax. Das bedeutet: Strategische bedeutsame Entscheidungen werden mehrheitlich in Übersee oder anderswo in Europa getroffen.

► Ausgerechnet Deutschlands wertvollste Unternehmen weisen den geringsten Anteil nationaler Eigentümer und den höchsten Anteil von Auslandsbesitz auf (Grafik oben). Eine stille Machtübernahme hat stattgefunden.

► Dadurch fließt der Großteil der Dividenden außer Landes. Von den 2018 ausgeschütteten 36,5 Milliarden Euro wurden 19,8 Milliarden in andere Länder überwiesen. Deutschland wird zur Republik der Lohnempfänger.

► Plötzlich wird auch der Nachteil der umlagefinanzierten Altersvorsorge offensichtlich. Hierzulande erleben wir bei der Rente ein ständiges Absacken des Leistungsniveaus. Staaten mit einem Schwerpunkt auf der kapitalgedeckten Vermögensbildung profitieren. So hat sich das Vermögen der 79 Staatsfonds weltweit in den vergangenen zehn Jahren auf 7,4 Billionen US-Dollar mehr als verdoppelt. Anders ausgedrückt: Deutsche Vorzeigeunternehmen erwirtschaften die Pensionen von Amerikanern, Briten und Norwegern.

► Der Bürger gerät in eine gefährliche Zangenbewegung. Denn: Die Erträge der Kapitalseite fließen verstärkt ins Ausland, derweil der Staat bei den Konsumsteuern, den Energiesteuern und der Einkommenssteuer, seine wichtigste Refinanzierungsbasis gefunden hat. Die Kapitalseite trägt kaum noch zur Finanzierung der privaten und der öffentlichen Haushalte bei (Grafik unten).

Fazit: Das Zusammenwirken einer fehlenden Aktienkultur in Deutschland und die kluge Einkaufspolitik der Ausländer bewirken eine schleichende Verschiebung von Vermögenswerten. Das Land verliert auf diese Art nicht nur Geld, sondern auch einen Teil seiner Souveränität.

 

from: Steingarts Morning Briefing –  news@morning-briefing.gaborsteingart.com

 

 

 

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